Kadenzfrei

Ich habe heute frühere Blogeinträge durchgesehen und mit Erschrecken festgestellt, dass offenkundig Verschleißerscheinungen vorherrschen. Verständlicher-und glücklicherweise schließe ich nach dem nächsten Beitrag die Pforten und da es sich somit überraschender-oder erschreckenderweise um exakt  42 „Texte“ handeln wird, ergibt das ganze wiederum mehr Sinn (des Lebens?) als der Großteil der Inhalte hier, haarsträubende Satzstrukturen und ungebeugte Wort.

Heute habe ich mein Buchpaket nach Deutschland verschicken lassen. Während ein Postbeamter (ein Mann ohne Ledertasche) die Kiste erschreckend fest zusammenschnürte, musste ich gleichzeitig fünfmal die Adresse und den Inhalt/Wert etc. niederschreiben, da das blöde Papier nicht durchgepaust hat, und mich mit einem Wachmann über Mao Zedong und Hitler unterhalten. Als er auf einmal meinte, die beiden seien gar nicht so verschieden gewesen, musste ich dann doch innehalten. Kritik am alten Steuermann? Nein, im Gegenteil:  Hastig präzisierte er sogleich seine Auffassung, dass beide toll gewesen seien, wohl in dem Glauben, den Deutschen somit in seinem Glauben an den Führer nicht zu kränken. Ich wüsste gerne, wie Facebook vor 70 Jahren wohl ausgesehen hätte. Ich finde es absurd, wenn Leute Politiker oder Parteien ‚liken‘. Politische Grundsatzprogramme lesen, machen nur wenige als Freizeitbeschäftigung. Lesen allgemein fällt auch unten durch und diejenigen, die nicht lesen können, sind fein raus, wenn sie Parteien einfach nur ‚liken‘ können; und dann werden eben im Grunde die gleichen Parteien wie vor 70 Jahren ‚geliked‘. Wieviele Artikel werden eigentlich auf Facebook geteilt, ohne zuvor selbst von einem gelesen zu werden? Das erinnert bei vielen eher an Flyer verteilen. An was viele wohl nicht denken: der Artikel wurde schonmal irgendwo veröffentlicht. Viele gefallen sich anscheinend in der Rolle eines Verlags, der die Sachen einfach nochmal so raushaut, als seien sie druckfrisch vom Stapel gelassen und würden von den neuesten Entwicklungen der Watergate-Affäre berichten. Somit schwimmt man letztendlich in der veganischen Suppe jener mit, die, um sich selbst den anderen klarzustellen, nichts anderes mehr machen müssen und wollen, als kurz einzunicken, und somit buchstäblich einen Artikel/Youtube-Link in eine der sozialen Plattformen hineinnageln – bar jedweder Erklärung, warum einem ein bestimmtes Lied oder ein Artikel überhaupt gefällt.

Morgen muss ich unbedingt unseren dicken Vermieter, der neuerdings im Nadelstreifenanzug rumrennt, kontaktieren. Ich hoffe, er hat nicht vergessen, dass er uns noch die Kaution schuldet; oder er hofft, dass ich vergessen habe, dass er uns noch eine Kaution schuldet (ich schätze nämlich seinen Anzug auf genau diesen Betrag, mh.).

Über harrykrishna1104

Ich bin gerade nicht "unterwegs", lag erst relativ statisch in Hamburg (jetzt Darmstadt; ich gehe diesen Text nach 5 Jahren nochmal durch) vor Anker und war mit den letzten DINA4-Seiten meines Sinologie-Studiums beschäftigt. Trotzdem finde ich, dass man sich Faszination, Ansprüchen und Wünschen usw (wurschd!Ich ändere gerade eine Beschreibung von vor 5 Jahren, da geht es um sowas nicht mehr, wer hat das denn) aussetzen darf (bitte was? Raststätte?) und mit dem auseinandersetzen (weil geschwätzt) muss, das sich gerade eben nicht in Reichweite befindet. Neben China (Ist neben anderem auch Ulan Bator) darf das im Grunde alles sein (Gemein, hier reinzupfuschen, aber ich fühl mich so klug). Einzige Voraussetzung(en): Ausformuliert und/oder ausgedacht.
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