Auf eine Zigarette mit der Feuerwehr

Man steht abends an der Kreuzung vor dem Wohnhaus und wundert sich, woher plötzlich der leichte Regen kommt. Bewahrheitet sich die Taifun-Warnung, welche seit Tagen im Erdgeschoss an der Stahltür hängt, etwa genau in diesem Moment? Pro forma fährt dann genau in diesem Moment ein rotes Feuerwehrauto vorbei, parkt auf dem Gehweg gegenüber, die Insassen springen heraus, laufen hastig entweder zur Baustelle (dem Loch.) mitten auf der Straße oder zum Einkaufszentrum, was dort hochgezogen wird, wo es seit Tagen irgendwo  da hinten nach Gas riecht, die ersten Geschäfte ungeachtet dessen schon aufgemacht haben, und alles letztendlich den Anschein erweckt, als käme das Wasser gleich von oben, rechts, links und von vorne. Die Fußgänger bleiben stehen; es ist wohl schon zu lange keine Alte mehr an einem Hitzschlag vor ihren Augen umgekippt, die Radspeichen schlittern an einander vorbei und es bildet sich ein Stau auf dem Fahrradweg.  Man selbst wundert sich, warum der Kaffee im Becher mehr geworden ist, bevor einem wieder einfällt, dass es sich um einen mit Eiswürfeln handelt, und man nun ein hellbraunes Gesöff mit Körpertemperatur in der Hand hält – derart gebannt schaut man den Feuerwehrmännern zu, wie sie sich mit dem Chef der chinesischen Variante eines Kentucky Fried Chicken unterhalten. Es nieselt immer noch und die Männer zünden sich währenddessen Zigaretten an. Dass es nach Gas riecht, scheint sogar den Jungs von der Feuerwehr nichts auszumachen, aber möglicherweise planen sie auch eins zu legen, da es nichts zu tun gibt. Fertig geraucht springen sie wieder in ihren Wagen und fahren mit lauten Sirenen fort. Jetzt ist natürlich der Gedanke da, warum sie, wenn sie doch so in Eile sind, gehalten haben. Wurde nach dem Weg gefragt? – das wäre ihr gutes Recht und verständlich, denn die Stadt ist nun mal groß. Wieder plätschert es auf einen hinunter, aber dieses Mal kommt es einem schlicht nur seltsam vor. So wenig, wie gerade ein Feuer zu löschen war, so unwahrscheinlich scheint der angekündigte Taifun zu sein. Es hat immer noch 38 Grad (Es hat hier immer 38 Grad zurzeit, da bei mehr den Arbeitern in den Fabriken wohl eine Hitzezulage gewährt werden müsste. Somit wird hier von offizieller Seite aus getrickst, wie seitens einer Schulleitung an warmen Tagen. Die Unterschiede liegen darin, dass ein Rektor keinen Einfluss auf staatliche Temperaturmessungen hat, Unternehmer in Shanghai offenbar schon, und dass es den Schülern wahrscheinlich nicht ganz so schlecht geht wie den chinesischen Schichtarbeitern).  Die Ursache des unsteten Tröpfelns ist endlich ausgemacht. Direkt über einem ist der Ausfluss einer Klimaanlage zu einer Wohnung installiert und hustet erschöpft feinen Sprühregen auf die Straße unter ihr und auf einen selbst und den Plastikbecher, dessen Inhalt nun mehr an Soßenbinder erinnert. Also kein Taifun, kein Großbrand, aber Gasgeruch und ein Haufen Zikaden.

Über harrykrishna1104

Ich bin gerade nicht "unterwegs", lag erst relativ statisch in Hamburg (jetzt Darmstadt; ich gehe diesen Text nach 5 Jahren nochmal durch) vor Anker und war mit den letzten DINA4-Seiten meines Sinologie-Studiums beschäftigt. Trotzdem finde ich, dass man sich Faszination, Ansprüchen und Wünschen usw (wurschd!Ich ändere gerade eine Beschreibung von vor 5 Jahren, da geht es um sowas nicht mehr, wer hat das denn) aussetzen darf (bitte was? Raststätte?) und mit dem auseinandersetzen (weil geschwätzt) muss, das sich gerade eben nicht in Reichweite befindet. Neben China (Ist neben anderem auch Ulan Bator) darf das im Grunde alles sein (Gemein, hier reinzupfuschen, aber ich fühl mich so klug). Einzige Voraussetzung(en): Ausformuliert und/oder ausgedacht.
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