Im Bus ins Nirwana

Eine Busfahrt kostet 2 Yuan (umgerechnet irgendwas zwischen 40 Cent) egal, wohin.  An anderer Stelle schon erwähnt, fahre ich bequemerweise, wenn man es so bezeichnen will, jeden Morgen zum Unibezirk. Mehr als einmal in der Woche wird es richtig knapp mit der Zeit und ich komme fast zu spät zum Unterricht. Viele kommen zu spät, manche eine halbe Stunde, manche fünf Minuten vor Schluss (unser Koreaner als Beispiel: Er war ganz überrascht, als unsere Lehrerin ihm dafür eine Strafarbeit – das gibt es hier auch noch – gab. Er wurde vor die Wahl gestellt, was zu backen oder einen Text zu lesen. Er „kocht“ jetzt auf nächstes Mal. Es wird spannend.)  Ich mache mir dennoch jeden Morgen die Hektik und da die Abfahrtszeiten der Busse Tag für Tag abweichen, steht man oft entweder eine viertel Stunde neben einem Kiosk, der eine „Elle Men“(?) in der Auslage hat , auf deren Cover zurzeit ein ganz alter Robert de Niro abgebildet ist, vergebens oder man hetzt an den johlenden, Melonen zuwerfenden Obsthändlern vorbei. Der Bus selbst sieht erstaunlich neu aus und lädt zu einer gemütlichen Fahrt und einem feinen Start in einen wunderschönen, neuen Tag ein. Er hat zwei Flachbildschirme in seinem Inneren (irgendwie hat hier jeder Depp einen Flachbildschirm; hab ja selbst  einen, der auf meinem Schreibtisch von den drei Vermietern abgestellt wurde und mich und meinen Unikram immer weiter an den Rand des Tisches verdrängt; auch in der Sportsbar, in der ich das unsegliche Finale gesehen habe, war ein Bildschirm hinter dem Pissoir eingefasst.)und viele alte und wenig junge Menschen (die vorherige „Klammer zu“ beachten). Es laufen entweder Nachrichten oder Bier-und Fußcremewerbesendungen. Der vertrackte Part kommt erst, wenn man an den zwei Grundschulen vorbeifahren muss. Wenn es sehr früh ist, strömen die Kinder von ihren Eltern, eher Urgroßvätern, viel eher Großeltern in die Gebäude und es bilden sich Menschentrauben um die Eingänge, die an ein cann‘sches Filmfestival erinnern und den Verkehr und damit frühmorgens  den Bus mit seinen Bierwerbesendungen und Fußcremefilmen behindern. Die „wichtigen“ Großeltern parken ihre BMWs schräg auf dem Gehweg (BMW wird von vielen „Bie Mo Wo“ aussgesprochen und heißt feinsinnig übersetzt „Rühr mich nicht an!“). Dann schreien sich Busfahrer und Großeltern kurz an, während schräg vor den eigenen noch müden Augen ein Chinese im Anzug aus dem Bildschirm mit einem amerikanischen Budweiser herausprostet. Irgendwann fällt man schließlich doch am Ziel aus der Tür, bzw. wird von einer rasenden Oma auf den Gehweg geschubst und wenn alles schief läuft, es in Strömen regnet und alle drei Regenschirme, die man bei dieser Gelegenheit kaufen musste, zu Hause gelassen worden sind,  muss man sich nun den vierten holen. 

Über harrykrishna1104

Ich bin gerade nicht "unterwegs", lag erst relativ statisch in Hamburg (jetzt Darmstadt; ich gehe diesen Text nach 5 Jahren nochmal durch) vor Anker und war mit den letzten DINA4-Seiten meines Sinologie-Studiums beschäftigt. Trotzdem finde ich, dass man sich Faszination, Ansprüchen und Wünschen usw (wurschd!Ich ändere gerade eine Beschreibung von vor 5 Jahren, da geht es um sowas nicht mehr, wer hat das denn) aussetzen darf (bitte was? Raststätte?) und mit dem auseinandersetzen (weil geschwätzt) muss, das sich gerade eben nicht in Reichweite befindet. Neben China (Ist neben anderem auch Ulan Bator) darf das im Grunde alles sein (Gemein, hier reinzupfuschen, aber ich fühl mich so klug). Einzige Voraussetzung(en): Ausformuliert und/oder ausgedacht.
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