Intermission II

Da das viele nicht verstehen können, warum heute ein Haufen Leute in Deutschland (und anderswo) am Rad dreht, ohne, ihrer Meinung nach, triftigen Grund, möchte ich all jenen gerne kurz erklären, inwieweit ein Fußballspiel von Relevanz für die darauffolgende Woche sein kann, ohne dumpf zusammengeschusterte Sport1-und Spiegel-Online-Artikel zu zitieren oder Phrasendrescherei zu betreiben. Vor 16 Jahren war Borussia Dortmund das letzte Mal in einem solchen Endspiel um einen Pokal und für mich als kleinen Jungen, war es mitunter eines der ersten Fußballspiele, die ich im Fernsehen gesehen habe und mich gefreut habe, dass eine Mannschaft, für die ich war, gegen eine Mannschaft aus einer Stadt, von der ich noch nie zuvor gehört habe, gewinnt. Alleine der Ausdruck „für eine Mannschaft sein“  bringt es relativ knapp auf den Punkt. Nach diesem Sieg 1997, existierten in ganz Deutschland zweifellos auf einmal eine ganze Menge mehr kleine Jungen ohne Kompromisse und ganz kritikfrei für einen Verein.  Rückblickend kann ich mich persönlich seltsamerweise noch genau erinnern, was es am Abend auf den Tisch kam und mit welchen Kollegen ich auf dem Rasenplatz vor unserem Haus Fußball gespielt habe, bevor mich mein Vater hochgerufen hatte, da er der Ansicht war, dass mich das Folgende „vielleicht interessieren“ könnte. Wie untertrieben recht er behalten sollte: Vieles, was ich heute weiß,  wurde mir mit dem „Fußball“ in den Kopf geschossen. Erdkunde (noch mit 25 Jahren verbinde ich Städtenamen immer zuerst mit den dazugehörigen lokalen Fußballvereinen), Biologie (Körperteile setze ich oft in Zusammenhang mit etwaigen Verletzungen und der damit verbundenen Auszeit, die ein Spieler nehmen muss), Geschichte/Politik (ein Fußballspiel stellt Rahmenbedingungen, genauso wie Politik und Geschichte, sich auf die Rahmenbedingungen auswirken. Das muss alles bedacht werden, wenn man sich als zehnjähriger die Aufstellung einer Mannschaft von vor 30 Jahren durchsieht) Mathematik (Torverhältnisse, Auswärtstore, Punkte und Ablösesummen ergeben wunderbare Rechenaufgaben, die allerwenigstens Punkt-und Strich berücksichtigen. Algebra nicht, aber das braucht man sowieso nie mehr.) Religion (muss nicht näher ausgeführt werden, aber hier nun doch die Phrase, dass ein Fußballfan immer, wenngleich oft eklektisch, äußerst religiös sein kann) Fremdsprachen (das akzentfreie Aussprechen von Spielernamen bedeutet Anerkennung in der Clique) und die Physik (Balltreten, Wetterlage, etc). Was das nun mit China zu tun hat, ist mir selbst nicht klar, aber der chinesische Fußball war neben dem englischen Fußball immer schon so etwas wie ein Stiefbruder hinsichtlich des Ursprungs (es gab zu Grundschulzeiten einen schlechten Artikel in der Sportbild, meine ich).

Fußball bleibt eine Konstante für so viele im Leben, während andere wegbrechen (müssen): bspw. Wohnorte/Freunde/ Personen, die einen hochrufen, da irgendetwas einen vielleicht „interessieren könnte“ /Bekannte/Hobbies(Fußball ist kein „Hobby“; das würde voraussetzen, dass man es beizeiten lediglich ausübt…Fußball wird praktiziert und kultiviert).

Es sind jetzt noch knapp zwölf Stunden bis zu einem Fußballspiel. Dass es ein „Spiel“ genannt wird, ist meiner Ansicht nach verständlicherweise beinahe schon Blasphemie am großen Ganzen.

Über harrykrishna1104

Ich bin gerade nicht "unterwegs", lag erst relativ statisch in Hamburg (jetzt Darmstadt; ich gehe diesen Text nach 5 Jahren nochmal durch) vor Anker und war mit den letzten DINA4-Seiten meines Sinologie-Studiums beschäftigt. Trotzdem finde ich, dass man sich Faszination, Ansprüchen und Wünschen usw (wurschd!Ich ändere gerade eine Beschreibung von vor 5 Jahren, da geht es um sowas nicht mehr, wer hat das denn) aussetzen darf (bitte was? Raststätte?) und mit dem auseinandersetzen (weil geschwätzt) muss, das sich gerade eben nicht in Reichweite befindet. Neben China (Ist neben anderem auch Ulan Bator) darf das im Grunde alles sein (Gemein, hier reinzupfuschen, aber ich fühl mich so klug). Einzige Voraussetzung(en): Ausformuliert und/oder ausgedacht.
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