Blumen von der Tanke

Mit dem Chinesisch verhält es sich so: Wenige wollen es lernen, einige davon lernen es, kaum einer von denen, die es lernen, kann es, und diejenigen die es wirklich können, haben 40 Jahre Erfahrung und einen Job, den sie eigentlich seit 35 Jahren nicht mehr ausüben bräuchten. Ich zähle mich zur zweiten Kategorie: Ich „lerne es“.

Freitag Abend war ein ruhiger, recht milder Frühlingstag (gemessen an Shanghaier Maßstäben; derweil euphemistisch bis zum geht nicht mehr. Nicht „ruhig“: es wurde aber gerade nur ein Loch in die Kreuzung gebohrt. Nicht „mild“: jedoch mussten wir die Klimaanlage noch nicht auf „Kaltluft“ stellen.  Kein „Frühlingstag“: Keine Vögel, zudem war schon dunkel, ergo nachts.) Ich hatte mir noch was zu essen an der Ecke gekauft und vor, in die Siedlung am Torwächter vorbei Richtung Wohnung zurückzulaufen.  Zufälligerweise war es an dem Tag eben genau jener, der mir damals beim „Stromproblem“ ausgeholfen hatte (siehe  Blogpost http://wp.me/p34DFj-4D ). Als er mich sah, winkte er mich hektisch zu sich ins Pförtnerhäuschen herein und ich wiederum erblickte ihn, seine drei Kollegen der anderen Schichten, einen flachen Tisch, zwei Flaschen Reisschnaps und einige Teller Fleisch und Gemüse. Momente später fand ich mich mit einemvollen Plastikbecher und einer Zigarette in der Hand zwischen ihnen auf einen Schemel gequetscht wieder, brannte meine obligatorischen Gesprächsthemen ab und durfte nicht mehr gehen.  Glücklicherweise wurde „mein“ Pförtner augenscheinlich zunehmend eifersüchtig auf seine Kollegen, besonders auf den einen, der sich recht gut mit deutschem Fußball auskannte, was ich natürlich wiederum dankbar annahm und schließlich auch hier die Chance fand mich, von der Gesellschaft nach einer Stunde loszueisen, ohne loszubrechen.

Das ist ein schöner Nebeneffekt des Chinesischlernens  und vielleicht die beste Methode. Dennoch sitze ich meist im Chinesisch-Unterricht oder bei chinesischen Vorträgen da und überrasche mich erst selbst, ungeahnt viel zu verstehen, bis kurz darauf der Faden schon wieder verloren gegangen ist, ich wieder versuche gedanklich bspw. in die Rede über G. W. Leibniz und China einzusteigen und schließlich allen Ernstes meine, es würde gerade Leibniz‘ Perücke in aller Ausführlichkeit analysiert und diskutiert. 

无可奈何

Über harrykrishna1104

Ich bin gerade nicht "unterwegs", lag erst relativ statisch in Hamburg (jetzt Darmstadt; ich gehe diesen Text nach 5 Jahren nochmal durch) vor Anker und war mit den letzten DINA4-Seiten meines Sinologie-Studiums beschäftigt. Trotzdem finde ich, dass man sich Faszination, Ansprüchen und Wünschen usw (wurschd!Ich ändere gerade eine Beschreibung von vor 5 Jahren, da geht es um sowas nicht mehr, wer hat das denn) aussetzen darf (bitte was? Raststätte?) und mit dem auseinandersetzen (weil geschwätzt) muss, das sich gerade eben nicht in Reichweite befindet. Neben China (Ist neben anderem auch Ulan Bator) darf das im Grunde alles sein (Gemein, hier reinzupfuschen, aber ich fühl mich so klug). Einzige Voraussetzung(en): Ausformuliert und/oder ausgedacht.
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