Chinesischer Cheops

Mit elektronischem Wörterbuch bewaffnet betrat ich heute Nachmittag einen chinesischen Friseurladen. Zwei Minuten später konnte ich fünf Striche auf meiner persönlichen „Du siehst aus wie Harry Potter“- Liste hinzufügen und bekam zunächst so etwas wie einen Stufenschnitt. Also einen Stufen-Schnitt. Eine Frisur vielmehr, die an die Totenmasken von Chefren, Cheops und Tutenchamun erinnerte. Panisches Vokabellernen und hektisches Tippen ins Wörterbuch machten es schließlich aber doch noch möglich, mich zufriedenzustellen, während der dicke Friseur und seine lachenden Kolleginnen noch einmal  darum baten, sie weiterzuempfehlen. (was ich ganz bestimmt auch machen werde!)

Meine Stimmung besserte sich merklich, als mein chinesischer Tandempartner beim allwöchentlichen Austausch über jedwedes Thema, für das dankbarerweise mein Chinesisch schon/erst ausreicht, ein Aufnahmegerät dabei hatte, um ein Interview mit mir durchzuführen. Sprunghaft stieg mein Selbstwertgefühl in ungeahnte Höhen und blickte von der Decke des Möchtegern-Griechischen-Cafés (es war in azurblau und weiß angestrichen und hatte Anker an der Wand) höhnisch auf den chinesischen Germanistik-Student herab.

„Ich fange jetzt an: Trinkt eigentlich jeder Deutsche Bier?“

„Nun….“

Moment Felix, du kannst ihm im Grunde alles erzählen und er wird es dir glauben. Kürzen wir (der Pluralis majestatis  kam hier noch viel zu selten zum Einsatz) das doch einfach uns zuliebe ab und falten dabei die Hände, um dem Gesagten Nachdruck zu verleihen.

„Ja. Alle…Ohne Ausnahme.“

„Gut, hier die zweite Frage. Gibt es Missverständnisse zwischen Deutschen mit unterschiedlichem Dialekt.“

Wir nippen (das heißt: ich und das Ego, was in Allmachtsfantasien rudernd gerade das hölzerne Steuerruder und die Santorini-Fotografien taxiert) an unserem „griechischen“ Kaffee und lassen uns mit der Antwort Zeit.

„Alle verstehen einander recht gut. Nur die Menschen aus München nicht. Die mag aber auch keiner.“

„Danke, Felix. Das Interview ist beendet. Ich freue mich, dies meinem deutschen Professor und der Klasse abzuspielen.“

An diesen Tagen habe ich wichtige Lehren im Umgang mit Chinesen gezogen. Erstens: Versuche bei der langweiligen Wahrheit, was Deutschland anbelangt, zu bleiben. Achja und zweitens: Vermeide nach Möglichkeit Zitate aus chinesischen Untertiteln des Films „Fight Club“, wenn du ein chinesisches Mädchen ausfragst!

Und zuguter Letzt (quasi quid pro quo) ein kleiner Shanghai-Fotoblogtip für all diejenigen, denen das Geschreibsel hier teils zu unglaubwürdig erscheint (teils zurecht!). Fotografien sind schwer zu fälschen (Trotzki stand halt mal doch neben Lenin). Diese hier sind echt, selbstproduziert, zu allem Überfluss auch noch sehr schön (bis auf das eine, wo der eine Sinologe mit Brille und Kaffee dasteht; das geht grad noch so.)!

http://heibaizhai.wordpress.com/

 

 

 

Über harrykrishna1104

Ich bin gerade nicht "unterwegs", lag erst relativ statisch in Hamburg (jetzt Darmstadt; ich gehe diesen Text nach 5 Jahren nochmal durch) vor Anker und war mit den letzten DINA4-Seiten meines Sinologie-Studiums beschäftigt. Trotzdem finde ich, dass man sich Faszination, Ansprüchen und Wünschen usw (wurschd!Ich ändere gerade eine Beschreibung von vor 5 Jahren, da geht es um sowas nicht mehr, wer hat das denn) aussetzen darf (bitte was? Raststätte?) und mit dem auseinandersetzen (weil geschwätzt) muss, das sich gerade eben nicht in Reichweite befindet. Neben China (Ist neben anderem auch Ulan Bator) darf das im Grunde alles sein (Gemein, hier reinzupfuschen, aber ich fühl mich so klug). Einzige Voraussetzung(en): Ausformuliert und/oder ausgedacht.
Dieser Beitrag wurde unter Two-Footed Tackle veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s