Roll over Lu Xun and tell Tian Han the news

Gesetzt den Fall, man beschränkt sich auf die gute, alte deutsche Journaille als Wissensquelle, kann ich mir hier im Osten mein Schicksal zwischen Strahlungstod und Vogelgrippe aussuchen. Doch auch wenn sich die Ereignisse gerade überschlagen, Bushido den  „traurigsten Tweet seines Lebens“ (GMX-Schlagzeile) twittert, der kleine Dicke auf der koreanischen Halbinsel eifrig für Jauch den kompletten Jahresrückblick zimmert und anscheinend alle Welt darauf wartet, dass es endlich wieder Krieg gibt und man Mitgefühl heuchelnd 24 Stunden RTL-Sondersendungen anschauen darf („Hellmut, denk doch nur mal an die Menschen da drüben, jetzt mach doch mal den Videotext weg, ich will das sehen!“),  bereitet mir lediglich ein neuer Siebenerpack Socken derzeit am meisten Kopfzerbrechen. Ohne nämlich zu bemerken, dass sie alle an den Seiten die Namen der Wochentage eingenäht haben, bin ich am Dienstag daher für alle gut sichtbar mit einem „Sunday“ -und einem „Monday“-Socken herumgelaufen(Ein Leben auf der Überholspur  Folge 132). Vermehrt gehustet habe ich am Mittwoch und heute bin ich gestolpert; aber über so etwas schreibt man ja nicht.

Neben diesen persönlichen Entgleisungen und drohender Quarantäne, war die Entdeckung einer Live-Bar (Name: „Live-Bar“.)in unserer Straße, eine willkommene Abwechslung. Anscheinend muss man, um chinesische Studenten in einer Band ACDC und Black Sabbath spielen zu sehen, einfach spät abends die Türklinke in einer Wand auf einem Supermarktparkplatz herunterdrücken. Ein kleiner Raum mit Bühne und Bar tut sich vor einem auf.  Die wenigen Menschen sitzen und stehen versprengt vor der Bühne, wie die Figuren auf einer sich zum Ende neigenden Schachpartie und dass eine zweite Etage unter der niedrigen Decke Platz findet, um sich das Ganze in Ruhe von oben  anzuschauen, ist mehr als erstaunlich. Man kann sich dort hinter das Geländer setzen,  Arme strecken sich einem entgegen, die einem  Zigaretten anbieten, und der dicke, langhaarige  Chinese am Mikrofon versucht sich an „Come as you are“, während sein Leadgitarrist, vom Aussehen her Jurastudent, beige Hose, viel zu großes, hellblaues Hemd, heillos unterfordert dreinblickt; aber über so etwas schreibt man ja nicht.

Zusatz: Bei GMX (das ist jetzt natürlich nicht die letzte journalistische Instanz) heißt die Schlagzeile jetzt „USA verschieben Raketentest“ (könnte genauso gut „U2 verschieben Welttournee“ heißen).

„Das Lebbe gehd weida“ (Dragoslav „Stepi“ Stepanović)

Über harrykrishna1104

Ich bin gerade nicht "unterwegs", lag erst relativ statisch in Hamburg (jetzt Darmstadt; ich gehe diesen Text nach 5 Jahren nochmal durch) vor Anker und war mit den letzten DINA4-Seiten meines Sinologie-Studiums beschäftigt. Trotzdem finde ich, dass man sich Faszination, Ansprüchen und Wünschen usw (wurschd!Ich ändere gerade eine Beschreibung von vor 5 Jahren, da geht es um sowas nicht mehr, wer hat das denn) aussetzen darf (bitte was? Raststätte?) und mit dem auseinandersetzen (weil geschwätzt) muss, das sich gerade eben nicht in Reichweite befindet. Neben China (Ist neben anderem auch Ulan Bator) darf das im Grunde alles sein (Gemein, hier reinzupfuschen, aber ich fühl mich so klug). Einzige Voraussetzung(en): Ausformuliert und/oder ausgedacht.
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