UNO an Ostern

Aprilscherze kann man auch hier machen. Das kommt aber logischerweise auch auf den kulturellen Kontext an, ob sie verstanden werden oder nicht. Während man hier der Mao-Statue vor der Universität nicht den Kopf absägen und verstecken kann, darf man möglicherweise in Wuppertal nicht als Sternsinger (Kaspar) verkleidet herumlaufen und Neonazis nach Süßigkeiten fragen. So einfach ist das.

Bis letzte Woche hatte ich einen chinesischen Sprachkollegen. Diese Woche fand ich mich in einer Gruppe von noch vier anderen Germanistikstudenten wieder, mit denen ich UNO (Kartenspiel, nicht die Organisation) auf der Rasenfläche vor dem Hauptgebäude spielen musste.  Gedanken an die Gründung einer Sekte mit Monatsbeitrag, wurden schnell verworfen. Zu allem Überfluss kam noch ein Campus-Wächter vorbei. Wenn es nämlich etwas gibt, was die Alten richtig neugierig macht (außer vielleicht ein Deutscher, der eine Gruppe chinesischer Jünger am Ostermontag um sich versammelt hat), dann ist es das Kartenspiel.  Fünf Minuten stand er hinter mir, fing schnell an, das doch recht einfache Regelwerk zu durchschauen, und machte sich schließlich daran, mir Ratschläge zu erteilen. Als ich meine 4-Plus-Karte nicht gleich auf seine Anweisung hin ausspielte, wechselte er die Seiten und teilte den anderen eiskalt meine komplette Hand mit.  Natürlich verlor ich und abschließend (ungelogen.) kam auch noch ein Anglistikstudent dazu, der mich nach kurzem Wortwechsel nochmal höflich an den Holocaust erinnerte und sich danach erkundigen wollte, ob Deutschland für Juden heutzutage wirklich „wieder sicher“ sei.

Mache ich doch lieber eine Sekte auf – dazu bietet Ostern ja seit jeher eine passende Gelegenheit – (rote Mao-) Bibel und Sandalen bekommt man hier auch praktisch nachgeworfen.

Über harrykrishna1104

Ich bin gerade nicht "unterwegs", lag erst relativ statisch in Hamburg (jetzt Darmstadt; ich gehe diesen Text nach 5 Jahren nochmal durch) vor Anker und war mit den letzten DINA4-Seiten meines Sinologie-Studiums beschäftigt. Trotzdem finde ich, dass man sich Faszination, Ansprüchen und Wünschen usw (wurschd!Ich ändere gerade eine Beschreibung von vor 5 Jahren, da geht es um sowas nicht mehr, wer hat das denn) aussetzen darf (bitte was? Raststätte?) und mit dem auseinandersetzen (weil geschwätzt) muss, das sich gerade eben nicht in Reichweite befindet. Neben China (Ist neben anderem auch Ulan Bator) darf das im Grunde alles sein (Gemein, hier reinzupfuschen, aber ich fühl mich so klug). Einzige Voraussetzung(en): Ausformuliert und/oder ausgedacht.
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