Kaufs im Kilo.

Nächsten Mittwoch werde ich mir nachts endlich wieder ein Fußballspiel anschauen können und das aus dem einfachen Grund, weil am nächsten Tag „Qingming Jie“ (chinesisches Totenfest) ist. Jeder rennt nach Hause und bringt den Verstorbenen was zu essen. Man kann sich jetzt fragen, wie viele insgesamt sterben mussten, damit sich dieser Feiertag etablieren konnte und ich mir ein Championsleague-Viertelfinalhinspiel anschauen kann. Aus dieser Perspektive betrachtet, entsteht ein erschreckend erhabenes Gefühl. Hoffen wir, dass auch die Dortmunder Abwehr darum weiß, dass asiatische Einschaltquoten nächste Woche größtenteils durch Friedhofsbesuche zustande kommen…oder vielleicht besser doch nicht…mh, ich denke, es wäre ihr egal.

[Erika-Fuchs‘-Seufz] Stadion- und (Punkrock-)Konzert-Besuch in China haben dagegen einen schwierigeren Stand. Alles Richtung Stadtzentrum erhält eine westliche Oberfläche (oberflächlich trifft das ganze schon ziemlich gut) und bekommt einen wunderbaren starbucksiphonen Anstrich. Glücklicherweise lässt sich die Bevölkerung vom „Sozialismus chinesischer Prägung“ nicht wirklich beeindrucken und rennt in Klamotten rum, die eher aussehen, als seien sie im „Kaufs im Kilo“ am Güterbahnhof Gelsenkirchen gekauft worden, als in einer dieser neuen Mode-Boutiquen.

Auf Bezahltfußball und „ehrliche“ Musik lässt man sich genauso wenig ein. Die Stadien der Vereine, in denen ivorische Fußballer bis vor kurzem noch für zwölf Millionen Euro im Jahr unter Vertrag gestanden haben, sind praktisch leer. Die beiden Vorstände heißen „Korruption“ und „Geldwäsche“ und wenn man faulerweise nach „Punkrock Shanghai“ googelt, bekommt man ein „Punkrock-Cafe“ als Treffer angezeigt (was in etwa so viel mit Punkrock zu tun hat, wie der FC. St. Pauli).* In Peking soll die Situation eine andere sein. Jedem empfehle ich dazu die Doku „Beijing Bubbles“; auf youtube gibt es den Trailer.**

Mein dritter Vermieter hat mich gestern angerufen. Das war das erste Mal, dass ich mit ihm gesprochen habe. Er wollte lediglich wissen, ob es sich in „seiner Wohnung gut lebt“. „Ja, super lebt es sich“ war meine Antwort und dann hat er aufgelegt. Ich bin mir da noch unsicher, wie ich diesen Anruf zu werten habe. Vielleicht haben wir ja nächste Woche einen Mitbewohner.

 

*Beim Durchklicken stelle ich fest, dass es sich um eine Barista-Schule handelt. Keine Ahnung, was das  nun  mit Punk zu tun haben soll. „Ein No-Future-Nougat-Macchiato“ oder „Fuck-The-System-Espresso“?

** http://www.youtube.com/watch?v=hJC1fWf4IAU

Über harrykrishna1104

Ich bin gerade nicht "unterwegs", lag erst relativ statisch in Hamburg (jetzt Darmstadt; ich gehe diesen Text nach 5 Jahren nochmal durch) vor Anker und war mit den letzten DINA4-Seiten meines Sinologie-Studiums beschäftigt. Trotzdem finde ich, dass man sich Faszination, Ansprüchen und Wünschen usw (wurschd!Ich ändere gerade eine Beschreibung von vor 5 Jahren, da geht es um sowas nicht mehr, wer hat das denn) aussetzen darf (bitte was? Raststätte?) und mit dem auseinandersetzen (weil geschwätzt) muss, das sich gerade eben nicht in Reichweite befindet. Neben China (Ist neben anderem auch Ulan Bator) darf das im Grunde alles sein (Gemein, hier reinzupfuschen, aber ich fühl mich so klug). Einzige Voraussetzung(en): Ausformuliert und/oder ausgedacht.
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