Frau Li, der Lenz ist da!

Es scheint Mitte März zu sein und die Sonne. Das Wochenende brachte 28 Grad, im Wechsel klaren Himmel und Grobstaub. Jacken wurden in den Schrank gehängt oder viel zu umständlich den ganzen Tag  über der Schulter mit sich herumgetragen. Shanghai riecht zurzeit wie das Heidelberger Carré plus Indien minus Curry mal die besagten 28 Grad, ungefähr…(Zusatz: Strich-vor-Punkt-Regel beachten)

Vorgestern Abend war ich mal wieder im Lu Xun – Park, einer der schönsten Parks der Stadt. Derer gibt es einige und die Einwohner schleppen so ziemlich alles in sie hinein, was sie zum Ausüben ihrer Hobbies benötigen. Karaokemaschinen, Tee, Zigaretten, Saxophone, Heuschrecken, Singvögel, chinesische Schachbretter usw. .Als ich ankam, waren es gerade noch 45 Minuten bis der Park seine Pforten schloss und daher sehr ruhig. Solche Augenblicke lernt man erst mit der Zeit zu schätzen, da man ja durchgehend mit sehr vielen Menschen zu tun hat. Ein Blog über einen deutschen Park würde genau hier nun mit der beschaulichen Ruhe, dem See und weißgottwasallem enden, aber wir sind in China. Kurz nachdem ich wie besessen Fotos von der beschaulichen Ruhe, dem See und weißgottwasallem geschossen hatte (siehe Bild), kam ein sturzbetrunkener Shanghaier um die Ecke, nahm im Wechsel einen Schluck aus seiner Pulle, brüllte die Natur zusammen, sang irgendwas und machte sich dann natürlich ausgerechnet in meine Richtung auf. Beinahe gleichzeitig wurde es kalt, die Sonne war nicht mehr zu sehen und der Moment, sich zu entspannen, war dahin. Der Alte kam endlich an meine Stelle, hielt sich an einem Baum fest und schrie mir aus zwei Metern sein freundliches „Hello!“ ins Gesicht.  Nachdem ich ihm gesagt hatte, woher ich kam, wollte er mit mir unbedingt über Wagner und Beethoven reden, sang mir etwas von ihnen vor (was unter Garantie nichts dergleichen war), verabschiedete sich, trank aus seiner Plastikflasche, brüllte und lief davon. Eine große Müdigkeit überfiel mich zu diesem Zeitpunkt.

Die Briefkasten-Problematik spitzt sich weiter zu. Den Schlüssel haben wir nämlich immer noch nicht gefunden. Irgendjemand nimmt aber unsere Post heraus. Dafür kommen nur unsere drei Vermieter in Frage, die wohl morgen mal wieder angerufen werden müssen.

Über harrykrishna1104

Ich bin gerade nicht "unterwegs", lag erst relativ statisch in Hamburg (jetzt Darmstadt; ich gehe diesen Text nach 5 Jahren nochmal durch) vor Anker und war mit den letzten DINA4-Seiten meines Sinologie-Studiums beschäftigt. Trotzdem finde ich, dass man sich Faszination, Ansprüchen und Wünschen usw (wurschd!Ich ändere gerade eine Beschreibung von vor 5 Jahren, da geht es um sowas nicht mehr, wer hat das denn) aussetzen darf (bitte was? Raststätte?) und mit dem auseinandersetzen (weil geschwätzt) muss, das sich gerade eben nicht in Reichweite befindet. Neben China (Ist neben anderem auch Ulan Bator) darf das im Grunde alles sein (Gemein, hier reinzupfuschen, aber ich fühl mich so klug). Einzige Voraussetzung(en): Ausformuliert und/oder ausgedacht.
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